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ExLibris von Michel Fingesten (1884–1943)

22. September 2018 bis Ende April 2019 / 3. Ausstellung 2018

Michel Fingesten: Exlibris Gianni Mantero, Radierung 1938

Michel Fingesten: Exlibris Gianni Mantero, Radierung 1938

Innerhalb der Exlibris-Welt hat der Exlibris-Künstler Michel Fingesten eine Sonderstellung. Er konnte zu Beginn des 20. Jahrhunderts als »moderner« Künstler bezeichnet werden, in dem Sinne, als dass er expressionistische, kubistische und surrealistische Stilelemente in seiner Grafik vereinte und sich dadurch dem akademischen Stil und dem gängigen Geschmack der Zeit entziehen konnte. Gerade deswegen hatte er bei dem fortschrittlichen, liberalen Teil der Berliner Gesellschaft nachhaltigen Erfolg.
Fingesten hat in seinem Leben eine selbst gewollte, abenteuerliche, aber auch durch die politischen Verhältnisse verursachte Odyssee durchlebt: Geboren in Buczkowitz (Österreichisch-Schlesien) und ärmlich, in mosaischem Glauben aufgewachsen, ist er über Russland nach Wien gekommen, um an der Akademie Malerei zu studieren. Hatte Oskar Kokoschka getroffen, doch nach nur zwei Jahren ist er nach Amerika ausgewandert, um als »Leichtmatrose« weiter nach Australien zu segeln und über den Fernen Osten, immer wieder Arbeit findend, endlich 1913 in Berlin zu »landen«. Dort hatte er auch den größten Teil seines grafischen Werkes geschaffen, bis er in weiser Voraussicht 1935 nach Mailand übersiedelte, um dann doch, bei voller Schaffenskraft, 1940 verhaftet und in ein Internierungslager eingewiesen zu werden, wo er in Cerisano bei Cosenza (Kalabrien) verstarb.
Die Motive in seinen Grafiken werden durch sein bewegtes und geprüftes Leben bestimmt und kreisen um Liebe, Erotik, Glück und Harmonie, aber auch um Hunger, Armut, Krieg und Tod, wobei religiöse Anspielungen ebenfalls gegeben sind und alles aus dem Leben seiner Umgebung gegriffen ist. Fingestens Kunst ist Ausdruck seines starken Intellekts und so fehlt in seinem Werk auch nicht Humoristisches, Satyrisches und ins Groteske gehende. Fingestens Drucktechnik ist die direkt auf die Kupferplatte gearbeitete Kaltnadel- als auch die Ätzradierung und die Lithografie. Er hat eine Vielzahl von Exlibris und Gebrauchsgrafiken geschaffen – sie gehen in die Hunderte – und seine Blätter sind international sehr begehrt und erzielen höchste Preise! (Heinrich R. Scheffer)

Die Exponate stammen aus der Sammlung Scheffer, Wien.