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»Von der fremde in die Fremde reisen . . .« Kalligrafien von Frank Fath und Jasna Wittmann

24. Juni bis 3. September 2017 / 2. Ausstellung 2017

»Von der fremde in die Fremde reisen . . .« Kalligrafien von Frank Fath und Jasna Wittmann

Kalligrafie von Frank Fath

Jasna Wittmann, Grafik-Designerin, Studium an der Hamburger Akademie für Kommunikationsdesign und Art Direction. 2001 erfolgreicher Abschluss. Fortbildung bei national und international renommierten Kalligrafen. »Schrift ist mein täglicher Begleiter. In der Kalligrafie, dem ausdrucksvollen Schreiben mit der Hand, habe ich meine Leidenschaft gefunden. Es fasziniert mich, immer wieder neuen Wegen und Formen nachzuspüren, mit ihnen zu spielen und zu experimentieren und in meinen Bildern in einen neuen Zusammenhang zu bringen. Neben den expressiveren freien Formen widme ich mich auch den historischen Schriften. Hier kann ich eintauchen in die Stille des reinen Schreibens und schöpfe daraus neue Kraft.«

Frank Fath, Kartograf, beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Schrift. Seit den 1990er Jahren zahlreiche Begegnungen mit nationalen und internationalen Schriftkünstlern. »Für mich ist die Leidenschaft des Schreibens nicht mit der ästhetischen Formvollendung, der Geometrie und der Perfektion der Linie erfüllt, die unbestritten die handwerkliche Grundlage des Schreibens bilden sollten. Mir geht es um mehr. Kalligrafie als künstlerischer Ausdruck der – über den intellektuellen Hintergrund der Aussage hinaus – zeigt, was die Worte in mir auslösen. Als Mittler, Brückenbauer zwischen den Worten des Dichters und des Betrachters, versucht meine Schrift das Dahinter – dieses Wesentliche – spürbar werden zu lassen.«

Kalligrafie von Jasna Wittmann

Kalligrafie von Jasna Wittmann

Entwurzelte Worte

Das Thema Vertreibung und Flucht zieht sich durch die Geschichte der Menschheit und spielt sich immer vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Veränderungen ab. Über Zahlen, Fakten und Berichten von Flüchtenden und Vertriebenen hinaus, sollen unsere Arbeiten das Individuum dahinter zu Wort und Bild kommen lassen. Was bietet sich hier besser an, als DEN Stimmen der großen österreichischen Literaten und Intellektuellen Ausdruck zu geben? Sie mussten in der Zeit des Nationalsozialismus ihre Heimat verlassen und beschreiben die Not von Millionen Menschen durch eigene Erfahrungen mit Flucht und Entwurzelung. Sie tun dies mit großer Würde und in einer sprachlich herausragenden Art und Weise. Man erkennt in ihren Worten das große Leid des Einzelnen, aber auch ihren hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Immer wieder wird erkennbar wie das Unbekannte neue Ängste auslöst. Die Furcht sein Zuhause zu verlassen, Angst am Ausreisen gehindert zu werden, vor anderen Kulturen und Menschen, die einem als Fremden nicht wohl gesonnen sind. Den Verlust des Besitzes, des Ansehens, des sozialen Umfeldes erleben. In Abhängigkeit von Gönnern und Hilfsorganisationen zu geraten und dadurch den Verlust eines selbstbestimmten, menschenwürdigen Lebens zu erleiden. Immer begleitet von der großen Sorge um zurückgebliebene Freunde und Verwandte, zu wissen, sie vielleicht nie wieder zu sehen. Zu spüren, dass nicht allein die Unversehrtheit des Körpers und vorrübergehende Sicherheit zum Leben genügen. Zu spüren, dass auch Sprache Heimat bedeutet, auf wen trifft das mehr zu, als auf den Literaten und Poeten? Und wo ist die Kalligrafie wesentlicher, als über die Aussage des Textes hinaus, bei dem Betrachter ein Empfinden zu erreichen? Ein Gefühl, beschrieben durch den Autor, vom Kalligrafen bildhaft zum Ausdruck gebracht. So wollen wir mit unseren Arbeiten all jene zu Wort kommen lassen, die seit Jahrtausenden ihre Heimat verlassen und ihre Zukunft in der Fremde suchen müssen.

Einladung_2-2017