Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015
2. Kalligraphie-Ausstellung 2005 | Karin Bauer

Grundlage des kalligraphischen Gestaltens ist die Geschichte der Schrift. Die Kalligraphie galt in früheren Jahrhunderten als eine Kunst mit formalen und stilistischen Vorgaben. Schrift transportierte nicht nur Bedeutung, sie war selbst Bedeutung. Und – obwohl an Formgesetze und rhythmische Ordnung gebunden – eröffnen die vielfältigen Schriftstile der Gestaltung ein weites Spektrum für schöpferische Kraft und die Grundlage, eigenständige Wege der kreativen Weiterentwicklung zu beschreiten. Mit sensibler Hand und schlichten Werkzeugen können wir auch heute noch – in einer Welt der digitalisierten, typographischen Glätte – schönste Schriften schreiben in unendlichen Ausprägungen und sie zu ästhetischen Schrift-Bildern gestalten. Die intensive Begegnung mit Schriftkunst machte ich im vorderasiatischen Kulturraum, wo ich über längere Zeit lebte und mir viel Zeit nehmen konnte, diese in Museen zu betrachten und in Ateliers den Schreibern über die Schulter zu sehen. Nirgendwo ist Schriftkunst auch im Alltag so präsent. Das war für mich letztlich – wieder zu Hause – der entscheidende Impuls für das Studium der lateinischen Schriften.

Für mich ist es die bereicherndste Zeit, wenn ich experimentiere. Die Vielfalt der graphischen Formen, die mir Pinsel, Metall- und Holzwerkzeuge, Naturmaterialien, meine Hände, in Verbindung mit Pigmenten, flüssigen Farben, Tuschen und Tinten hinterlassen, faszinieren mich und lösen mich für den eigentlichen, manchmal lange dauernden Gestaltungsprozess mit einem Text. Bereits jetzt setzt die Zwiesprache mit dem Wort, dem Textinhalt, ein, setzt es in Beziehung zur momentanen Befindlichkeit und dem schon Er-fahrenen. Der Klang der Sprache berührt mich und überträgt dies in Rhythmus, in Linien, in graphische Formen, in Farbe.

Ich bin nicht festlegbar. Mir erscheint es wichtiger, immer wieder vollständig neues auszuprobieren. Für mich ist Kalligraphie im weitesten Sinne ein lebensnotwendiges Experimentierfeld mit allen vorauszusetzenden Qualifikationen geworden.

Mich überrascht immer wieder die lautlose Eindringlichkeit von Worten. Manchmal schreibe ich die gleichen Texte über Monate oder Jahre immer wieder. Sie berühren mich derart stark und sie reflektieren zu jeder Zeit andere Gedanken, andere Gefühle. Diese werden genährt aus dem aktiven Leben und der Kommunikation mit dem Betrachter. So sind wir eigentlich zu Dritt: Sie als die Betrachter, das gesagte Wort, die Lyrik, der Sinngehalt und ich als Künstlerin und kalligraphische Interpretin: schwungvoll-spielerisch, kraftvoll, ernsthaft-meditativ, sanft – eben wie das Leben.

Erato hat mich seit Jahren beflügelt, Gedicht und Prosa über und von der Liebe zu sammeln. Es ist eine Fortsetzung einer Ausstellungsreihe, die im Hamburger Stadtpark zu Musik und Lesung ihren Anfang nahm. Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen!

KARIN BAUER, Hagenau 40, 22089 Hamburg
Telefon und Fax: (0049) 40-200 56 77
www.bauer-kalligrafie.de

 

Von der Schönheit Khalil Gibran: »Von der Schönheit«;
Kalligraphie von Karin Bauer

Achte gut auf diesen Tag
Chistoph Lichtenberg:
»Achte gut auf diesen Tag«;
Kalligraphie von Karin Bauer

Du bist...
Christian Morgenstern: »Du bist … «;
Kalligraphie von Karin Bauer