Übersicht Ausstellungsarchiv ExLibris und Buchkunst 1992 bis 2015

3. ExLibris-Ausstellung 2005 | Alfred Heinz Kettmann

»Kunst soll man nicht erklären, sondern erschauen. Sie ist Verdichtung persönlichen Erlebens, ist Weltanschauung, formuliert mit Farbe und Form«, bekennt der 1912 in Annaberg geborene und seit 1945 in Bamberg lebende Graphiker Alfred Heinz Kettmann, wenn er über seine Arbeiten gefragt wird.

Sie erweisen sich als Verdichtung und Konzentration hin zu einer Kalligraphie ohne jede Beziehung zu unseren herkömmlichen, wohl aber zu ostasiatischen Schriftzeichen. Dieses Schreiben an sich hat keine konkreten Texte zum Inhalt, regt aber sehr zum Nachdenken, Nachfühlen an, ist beste Anleitung zur Meditation. Nicht nur bei seinen mit lockerem Pinsel geschriebenen Tuscheblättern zaubert er Schriftbilder im wahrsten Sinne des Wortes auf das Papier, sondern auch mit Zuckertusche auf Metallplatten, die er dann ätzt und druckt. Zu dieser ersten Grundform sucht er dann – oft in passender Farbe oder Fläche – die harmonisch ergänzende Gegenform, als Steigerung der Aussage, die eine bis ins Archaische reichende Spannung erzeugt, uns so Inhalte ohne Worte gibt. Diese Formfugen oder Form-Konstellationen wollen ohne Vorurteil gesehen und erfühlt werden. Das ist ihre einzige Forderung an den Betrachter, dazu auch ein wenig Geduld, bis sie sich öffnen und ihre Schönheit preisgeben.

Dr. Ottmar Premstaller



   

 

 
Alfred Heinz Kettmann: Exlibris
Alfred Heinz Kettmann: Exlibris
(Tuschblatt, 2001)