Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015
1. Kalligraphie-Ausstellung 2006 | Vida Bokál Neugebauer

"WAS ICH SCHON IMMER SCHREIBEN WOLLTE"

VIDA BOKÁL-NEUGEBAUER wollte immer schon schreiben, nur verstand sie unter Schreiben das Verfassen von Zeitungsartikeln, Reiseberichten, Kurzgeschichten, Gedichten und Romanen. Kalligrafie hatte für sie, bis sie vor dreißig Jahren in die Familie Neugebauer kam, nicht existiert. Sie bekam zwar für ihre schöne Handschrift immer wieder Komplimente, aber das war es. Bis Friedrich Neugebauer sie ermunterte, sich der Kalligrafie zu widmen. Sie erlebte das Schreiben und Gestalten des großen Kalligrafen und Grafikers aus nächster Nähe. Immer wieder fing sie mit dem Schreiben an und hörte wieder auf. Erst Ende der 1980er Jahre begann sie sich ernsthaft mit der Schrift zu beschäftigen und so wurde die Kalligrafie schließlich zu ihrem Beruf.

Die Grundsätze der Schrift und des Schriftbildes lernte sie bei Friedrich Neugebauer. Nach ein paar Jahren wagte sie sich in die Welt und sammelte auch bei anderen bekannten Schriftkünstlern Erfahrungen. Sie lernte neue Wege des Ausdrucks, aber auch die Grenzen ihrer Fähigkeiten auszuloten. Sie fing an, den Weg der Suchenden zu gehen.

Der Grundgedanke, dem Text einen visuellen Ausdruck zu geben, ist geblieben. Die Texte und Inhalte werden zu Räumlichkeiten, in denen visuelle und emotionelle Spannungen sicht- und spürbar werden. Da das Gedruckte und am Computer Hergestellte der Leserlichkeit dient, bekamen die Kalligrafen die Freiheit der Abstraktion. Man kann den Text durch Farbe sowie abstrahierte Schrift- und Bildformen gestalten. Auch die Freiheit des angewendeten Schreib- und Beschreibmaterials ist beinahe grenzenlos. Dabei ist ihr bewußt, daß die Freiheit der Schriftkünstler diese von der Verpflichtung die Schriftformen, die auf langer Tradition und Erfahrung der Geschichte beruhen, weiter zu bewahren, nicht befreit.

Für Vida ist das Schreiben eine Meditation, die sie vor allem in der Disziplin findet. Mit den Jahren wird die Kalligrafie immer mehr Mittel zum Zweck. Sie möchte mit den Texten, die sie kalligrafisch gestaltet, auf vieles, was sie bewegt, aufmerksam machen. Trotz des Bildhaften ist das Lesen der Texte wichtig. Sie will den Betrachter anhalten, sich mit dem Bild und Text zu beschäftigen. Stehen bleiben, lesen, nachdenken, besonders in dieser Zeit, wo die rasante Zunahme an Rücksichtslosigkeit und Egoismus unbemerkt Verwüstung hinterlässt.

1993 stellte sie erstmals ihre Arbeiten aus, die in der Folge nicht nur in Österreich, sondern auch in Italien, Finnland, Frankreich, Belgien, den USA und Australien gezeigt wurden. Seit 1992 unterrichtet sie Kalligrafie an verschiedenen Institutionen und Schulen. Weiters ist sie Herausgeberin der Kalligrafie-Zeitschrift »LIGATURA«.

Vida Bokál-Neugebauer

Informations-Folder zu dieser Ausstellung
 


»Kalligraphie«, 2001; 42 x 30 cm


»Love Links«, 1990; 37,5 x 24 cm,
Tusche und Guache auf Pergament


»Der Beginn«, 2004; 70 x 50 cm,
Beize auf Bütten