Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015
2. Ausstellung 2007 | Josef Werner

JOSEF WERNER, 1945 in Graslitz / Erzgebirge geboren, studierte 1970–75 an der Akademie der bildenden Künste in München bei Professor K. F. Dahmen und ist seitdem freier Maler, Grafiker und Bildhauer. Werner lebt und arbeitet in Prien am Chiemsee.

Schon während des Studiums zeigt sich seine besondere Vorliebe für das grafische Verfahren des Radierens. Hier gelingt ihm – scheinbar mühelos und doch mit einem hohen Maß an technischer Perfektion – die Symbiose zwischen Realität und Fantasie. Werners Grafik entführt uns in eine Welt der Poesie, in der es noch Raum zum Träumen gibt, in eine Gedankenwelt, die durch ihre erzählerische Aussage eine humorvolle, oft auch kritische Botschaft vermittelt. Seine Werke sind nie nur Abbild der Wirklichkeit. Stets auf der Suche nach einer erahnbaren Harmonie und Schönheit hinter dem Horizont der Vernunft, schaffen Werners Bilder ihre eigene, nur den Gesetzen der Malerei verpflichtete Realität.

Werner beschäftigt sich seit langem mit dem Dichter Christian Morgenstern. Drei Mappenwerke hat er zu »Korf und Palmström« und »Galgenlieder« geschaffen, künstlerische Artikulation einer geistig-musischen Wahlverwandtschaft. Werner illustriert die skurrile, bizarre Lyrik Morgensterns nicht nur, er empfängt vielmehr daraus die Anregung, in den fantastischen Dimensionen die absurd erscheinende Logik der Wortspiele zu ergründen und sie in grafische Formeln, Figuren und Dinge (eigentlich müßte man sagen: Nicht-Figuren und Nicht-Dinge) umzusetzen. Was er entdeckt sind natürlich Objekte (oder Nicht-Objekte) seiner eigenen grafischen Fantasie. Es gibt keine trefflichere Definition der Absichten Werners als die Äußerung Morgensterns: »In jedem Menschen ist ein Kind verborgen, das heißt Bildnertrieb und will als liebstes Spiel- und Ernst-Zeug nicht das bis auf den letzten Rest nachgearbeitete Miniaturschiff, sondern die Walnußschale mit der Vogelfeder als Segelmast und dem Kieselstein als Kapitän. Das will auch in der Kunst mit-spielen, mit-schaffen dürfen und nicht so sehr bloß bewundernder Zuschauer sein. Denn dieses ›Kind im Menschen‹ ist der unsterbliche Schöpfer in ihm …«

Werners Interesse gilt auch der abstrakten Malerei und innerhalb dieser der Schrift. Der Zyklus »Symmetrical« als Beispiel stellt den tautologischen Zusammenhang zwischen Wort und Bild her. In Werners vielseitigem Werk kommen zwei bemerkenswerte Tendenzen zusammen: Die konstruktiv-nüchterne und die literarisch-narrative. Das gemeinsame Bindeglied ist die Poesie.

Elke Werner


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Der Nachtschelm


Die Geruchsorgel


Symmetrical


Ohne Titel