Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

3. Kalligraphie-Ausstellung 2008 | Giovanni de Faccio

DANKE - GRAZIE
Schreiben mit Zeichen, zeichnen mit Buchstaben
Eine Kalligrafie-Ausstellung mit Arbeiten von Giovanni de Faccio

Buchstaben und Schriftformen als Ausdruck einer von Menschen ausgehenden Ästhetik. Disziplinierte Freiheit, Befreiung der Gestik.
Ein neuzeitlicher Meister dieses uralten Handwerks zeigt eine Brücke von der Römerzeit, durch die Renaissance bis ins digitale Zeitalter.

Schreiben wird gewöhnlich als Ausdruck der Sprache verstanden. Dabei wird ein System aus grafischen, konventionellen Zeichen verwendet. Schreiben kann man mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Bleisatz oder letztendlich mit der Tastatur eines Computers. Dabei fällt auf, dass – außer ersteres – alle anderen Schreibmethoden, Buchstaben mit bereits bestehenden Formen verwenden, die also nicht beim eigentlichen Schreiben entstehen. Wörter sind Figuren, die sich aus Buchstaben zusammensetzen. Buchstaben wiederum sind Symbole des Alphabets, mit denen gewöhnlicherweise die Laute einer Sprache ausgedrückt werden. Die Form eines handgeschriebenen Buchstabens ist das Ergebnis aus einem oder mehreren Zeichen. Die Zeichen, aus denen die Form eines Buchstabens besteht, sind Spuren einer oder mehrerer Bewegungen. Was ist nun eine Bewegung? Bewegung ist Leben, Ausdruck der Seele, des Seelenzustands, des Gedankens, des Gefühls, des Willens und des Bewußtseins. Also, Handschreiben ist eine interessante Kombination mehrerer Aspekte, die eng miteinander verbunden sind: Des sprachlichen (der Buchstabe wird als Lautzeichen und leserliches Symbol verstanden), des grafischen (der Buchstabe wird als Form verstanden) und des seelischen (der Buchstabe wird als Ergebnis der persönlichen Erfahrung und der Fähigkeit sich auszudrücken verstanden). Üben wir mit der Schrift, lernen wir, wer wir sind.

Giovanni de Faccio ist geburtiger Italiener, San Donà di Piave nahe Venedig, seit 1993 in St.Valentin, Österreich, wo er mit seiner Frau und ihren beiden Kindern lebt. Er ist Mitgründer der »Associazione Calligrafica Italiana«, der ersten modernen Kalligrafievereinigung Italiens seit 1991. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Tradition der Schriftkunst, welche auf ein 2000jähriges Kulturgut zurückblickt, zu erhalten und Weiterentwicklung dieser Kunstform zu fördern. Er ist Dozent für Schrift und Typografie, d.h. Kalligrafie und Lettering, also das Zeichnen von Schriften und digitales Schriftdesign. Für ihn ist Schreiben nicht ein Job, es ist ein Weg. Daran, wie er schreibt, erkennt er sich selbst in seiner Stimmungslage. Durchs Schreiben führt er sich sich selbst vor. Sein Lieblingswort: Rhythmus.

Informations-Folder zu dieser Ausstellung
 

Bleistiftzeichnung für die Entwicklung einer digitalen Textschrift, 2006
Bleistiftzeichnung für die Entwicklung einer digitalen Textschrift, 2006

Littera Bastarda, Kalligraphiekurs-Plakat, 2008
Littera Bastarda, Kalligraphiekurs-Plakat, 2008

Pinselschrift für Buchumschlag, 2008
Pinselschrift für Buchumschlag, 2008

Neujahrsgruß, 2006
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