Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

1. Kalligraphie-Ausstellung 2009 | Wort Art - Kalligrafien von Birgit Nass

Schrift ist festgehaltene Sprache, Trägerin von Gedanken und Gefühlen. Die Kalligrafien von Birgit Nass auf Leinwänden, Papier und Treibholz rücken Poesie ins Leben. Einen Text zu interpretieren heißt tief in ihn einzudringen, ihm nachzufühlen und eine eigene Gestalt zu geben. Als Kalligrafin und Grafik Designerin setzt sie Texte und Buchstaben in Form und Farbe um.

Birgit Nass lädt Sie ein, Bilder zu lesen, den Moment wahrzunehmen, im Hier und Jetzt innezuhalten, wahrzunehmen, wie aus Worten Bilder werden. Durch die eigene Interpretation des Betrachters werden die Werke um eine persönliche Dimension erweitert.

»Wenn aus Worten Bilder entstehen, kann man Texten immer wieder neu begegnen und so den Empfindungen einen eigenen künstlerischen Ausdruck geben«, so die Kalligrafin.

Viele denken bei Kalligrafie an die asiatische Kunst oder historische Schriften. Und natürlich gehören die klassischen Lettern, von der Capitalis bis zur Karolingischen Minuskel, zur Basis der westlichen Kalligrafie. Doch am liebsten mag sie die moderne, freie, expressive Form, die Inszenierung, die Interpretation – »das Papier ist meine Bühne, die Buchstaben sind die Schauspieler, die ich energiegeladen oder melancholisch, vorwitzig oder schüchtern in Szene setze«, sagt Birgit Nass. Die Werkzeuge sind dabei vielseitig. »Im Grunde kann man mit allem schreiben, was man in Tinte tauchen kann und auf allem, worauf Tinte hält«.

Birgit Nass, 1968 geboren in Hamburg, studierte an der Kunstschule Alsterdamm und erhielt 1993 ihr Diplom als Grafik Designerin. Nach einer kreativen Tätigkeit im Bereich Verpackungsgestaltung machte sie sich 1998 als Grafik Designerin und Kalligrafin selbständig. Den Grundstein ihrer kalligrafischen Ausbildung erhielt sie an der von Martin Andersch gegründeten Schule für Schrift in Hamburg. Fortbildungen folgten über Pentiment, der Sommerakademie Armgartstraße, FH Hamburg; internationalen Kalligrafiesymposien, University of Sunderland UK sowie Seminaren und Meisterklassen bei internationalen Kalligrafen/innen. Seit dem Jahr 2000 leitet sie eigene Kalligrafie-Seminare und ist als Dozentin tätig. Birgit Nass sagt: »Kalligrafie bedeutet für mich Emotionen und Leidenschaft zu visualisieren und es begeistert mich, dies weiterzugeben«.

In dieser Ausstellung »Wort Art« sind Arbeiten aus verschiedenen Jahren und in verschiedenen Techniken zusammengefaßt. Allen Werken gemeinsam ist die Liebe zum Wort. Die Liebe zum Wort, die Pablo Neruda (1904–1973) in seinem Buch »Ich bekenne ich habe gelebt« so wundervoll beschreibt: ». . . denn es sind die Wörter, die singen, die steigen, die fallen . . . Ich liebe sie, ich schätze sie, verfolge sie, zerbeiße sie, lasse sie im Mund zergehen . . . Sie glänzen wie bunte Steine, hüpfen wie Fische aus Platin, sind Schaum, Strahl, Metall und Tau . . . Manche Wörter verfolge ich . . . Ich fange sie im Flug, wenn sie summen, und halte sie fest . . . Dann lasse ich sie kreisen, bewege sie, schlürfe sie, verschlinge sie, zermalme sie, putze sie heraus, befreie sie . . . Alles ist im Wort . . . Sie haben Dunkelheit, Durchsichtigkeit, Gewicht, Federn, Haare, sie haben alles, was an ihnen haften blieb . . . sie sind uralt und blutjung . . .

Werner Maack

Informations-Folder zu dieser Ausstellung
 


»Unendlichkeit«, Collage auf Leinwand, Acrylfarben, Naturpapiere und Blattgold.


»move«; Acrylfarben, Spachtelmasse und Blattgold auf Leinwand. Bildaufbau, inspiriert aus der Detailansicht einer Buchseite.


»Träume«; Sumi ink und Blattgold auf Aquarellpapier.