Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

Jahres-Ausstellung 2010 | Dr. Ottmar Premstaller

Durch die Kulturzeitschrift »Der getreue Eckart« der Zwischenkriegszeit fand ich zur Kleingrafik und so auch zu einem idealen Ausgleich zu meiner oft schweren körperlichen Arbeit als Landtierarzt.

Meine Beschäftigung mit diesem Gebiet der bildenden Kunst läuft auf drei Schienen:
Ich versuche mich in eigenem grafischen Schaffen und schneide seit 1947 in Langholz, Linol und seit längerer Zeit auf Anregung eines tschechischen Freundes hin in den Fußbodenbelag Thelon. Da in den harten Zeiten nach dem Krieg Werkzeug kaum zu beschaffen war, erfand ich mir mein eigenes: eine zurechtgebrochene Rasierklinge. Ich blieb ihr bis heute treu und denke, daß diese vor allem für das Schneiden von Schrift besonders geeignet ist. Das Thelon erscheint mir in vielerlei Hinsicht für meine Zwecke sehr gut verwendbar, nicht nur zum Schneiden, auch zum Drucken. Meine Werkliste (aller Schnitte, nicht nur der Exlibris) übersteigt nun schon die Zahl von mehr als 1200 Arbeiten. Die Schrift, das Schriftbild, ist fast immer Grund-lage und Mittelpunkt meiner Entwürfe und – wenn es nach meinem Wunsch gelingt – auch das Bildnerische im Stil wie geschrieben, meist linear.

Eine wesentliche Erweiterung meines Arbeitsgebietes brachte 1964 der Kauf einer alten Tiegeldruckpresse. Mitihr und dem Erwerb von Bleilettern entstand auch die»St. Georgs-Presse«: ein Kleinverlag, der sich auf kleine Auflagen beschränkt. Vor allem am Anfang entstanden Blockbücher, später im Handsatz gefertigte Ausgaben. Dabei war – und ist es – für mich immer schön, mit anderen zusammenzuarbeiten, sowohl mit Dichtern als auch mit Grafikern. Eben wurde die 200. Ausgabe fertig, alles selber gesetzt, gedruckt und gebunden. Da ich auch als Drucker Autodidakt bin, erlebe ich bei dieser Arbeit viele Überraschungen – und die Erkenntnis, daß das Drucken an sich eine Kunst ist und welche Rolle zum Beispiel Papier und Farbe spielen. Auch das Setzen brachte ich mir selber bei. Das erklärt, daß mein Satz nicht den professionellen Regeln entspricht, sondern mehr einer Handschrift.

Mein dritter Bereich umfaßt das Sammeln von Kleingrafik. Nach mehr als 60 Jahren gibt meine Sammlung ein getreues Bild der Entwicklung des Exlibris in diesem Zeitraum wieder, doch sind mir die damit verbundenen Sammler und Künstler näher als die gedruckten Blätter. Mit vielen bin ich gut bekannt und etliche zählen zu meinen vertrautesten Freunden, die mir über schwere Zeiten hinweghelfen. Von meiner Begeisterung für das Sammeln zählen die bisher 506 Blätter, die andere Künstler für mich fertigten. Aus dem Sammeln ergibt sich auch meine langjährige Mitarbeit im Schrift- und Heimatmuseum »Bartlhaus«. Seit 1993 betreue ich mit Freude und Vergnügen das Exlibris-Kabinett, das hilft mir, in meiner Sammlung zu leben und andere daran teilhaben zu lassen.

Dr. Ottmar Premstaller

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