Übersicht Ausstellungsarchiv ExLibris und Buchkunst 1992 bis 2015

1. ExLibris-Ausstellung 2011 | Exlibris von Emil Orlik
(Prag 1870-1932 Berlin)

Emil Orlik war ein wichtiger Kosmopolit um die Wende zum 20. Jahrhundert. Er fühlte sich in Prag, München, Wien und Berlin zu Hause und bereiste die Welt auf eigene Faust, um andere Kulturen nicht nur kennen zu lernen sondern von ihnen auch selbst zu lernen. In Prag als Sohn eines einfachen aber angesehenen Schneidermeisters geboren, studierte er an der Münchner Akademie Malerei und war ein sehr vielseitigen Künstler und Kunsterzieher. Das Wien der Jahrhundertwende hat ihn, wie viele andere Künstler, angezogen und wurde 1899 Mitglied der Wiener Secession. Er beteiligte sich 1902 gemeinsam mit Gustav Klimt und Kolo Moser an der viel zitierten XIV. Secessions-Ausstellung. Neben Studienaufenthalten in Europa unternahm er 1900 eine Reise nach Japan – 1911 eine weiter – um an Ort und Stelle den Japonismus zu studieren. Mit der Klimt-Gruppe verlässt er 1904 die Secession und übersiedelt nach Berlin, um an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Gewerbemuseums Druckgrafik zu lehren. Einer seiner Schüler war der deutsche Expressionist George Grosz.

Orliks künstlerisches Schaffen spannt sich von der schnell hingeworfenen Karikatur über sein reiches druckgrafisches Werk bis hin zu Kostümentwürfen, Bühnenbilddekorationen und Plakate für Max Reinhardt. Ein Gebiet dem er sich besonders gewidmet hatte, war das Exlibris. Viele seiner Freunde und Weggefährten haben von ihm ein Exlibris als „Freundschaftsbeweis“ erhalten, ein persönliches Dokument seiner Kunst: Rainer Maria Rilke, Max Reinhardt, Christian Morgenstern, um nur einige zu nennen.

Seine Erfahrung aus Japan und seine Liebe zur japanischen Kunst kommen auch in seinen Exlibris immer wieder zum Durchbruch. Vor allem die Handhabung des Eigner-Monogramms als Signet im Mittelpunkt des Entwurfes weist auf Japan hin.

Die Exlibris von Emil Orlik sind bei den Exlibris-Sammlern sehr hoch im Kurs. Die Ausstellung zeigt ca. 2/3 der 142 von Orlik geschaffenen Exlibris als auch Beispiele seiner freien Grafik.

Ing. Heinrich R. Scheffer

Informations-Folder zu dieser Ausstellung

 

 

Selbstporträt, Lithographie, 1930


Exlibris für Christian Morgenstern, Lithographie, 1898