Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

2. Ausstellung 2011 | Schriftbilder von Franz Mayrhofer

Franz Mayrhofer wurde 1954 in Tiefgraben (O.Ö.) geboren, studierte Medizin in Wien und lebt heute in Wien und Mondsee. Seit 25 Jahren beschäftigt er sich mit experimenteller sowie gegenstandsloser Malerei und hatte bereits zahlreiche Ausstellungen, unter anderem in New York.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht neben einem hohen Anspruch an die ästhetische Qualität der Bilder und Objekte die Auseinandersetzung mit der Vermittelbarkeit von Inhalten durch eine, über das Darstellen des Gegenständlichen hinausgehende, Bildsprache.

Zentraler Punkt ist dabei die Frage, in welcher Weise neben dem emotinalen »Gefallen« eines Bildes abseits einer vom Künstler und Betrachter gleichermaßen anerkannten respektierten Semiotik (Lehre von der Bedeutung der Zeichen) ein intellektuelles »Verstehen« ermöglicht wird.

Als Anschauungsobjekt für dieses spannungsgeladene Verhältnis von emotionaler Erregung und intellektueller Herausforderung, die ein Kunstwerk provozieren sollte, wählt der Künstler bevorzugt Piktogramme und Schriften. Diese bildersprachlich auf ein Minimum reduzierten Zeichen, im Alltag einer komplexen Gesellschaft unverzichtbare Hilfsmittel zum Überleben, tragen in ihrer Form höchst komplexe inhaltliche Informationen, die dem an Neuem interessierten Beobachter Türen zu neuen Welten öffnen können.

Thema der Ausstellung ist der qualitative Sprung vom Wahrnehmen zum Sehen – in einem sehr umfassenden Sinn. Als Anschauungsobjekt dienen Bilder der Schrift – einem gänzlich abstrakten Bildsystem. Schon in der reinen Darstellung wird ihre Mehrdimensionalität durch das Vorhandensein eines Schattens ausgedrückt. Die Schrift schwebt gleichsam im Raum – ohne Körper – schon auf dem Weg von der Zweidimensionalität ihres Zwischenlebens auf dem Papier, dem Stein, der Tontafel zur Gedankenwelt des reflektierenden Betrachters. Er nimmt sie wahr. Was er aber wahrnimmt, erzeugt Irritation – denn die Texte auf den Schriftbildern sind in cyrillischer, chinesischer, persischer, hebräischer und Sanskrit Schrift und Sprache, sowie in Brailleschrift verfasst.

Mit absoluter Selbstverständlichkeit wird dem neugierigen Betrachter ein Mangel bewußt, der im besten Fall das Bedürfnis nach Erkenntnis weckt, in der Regel in wortlosem nachdenklichem Desinteresse versandet, nicht selten aber auch in Verstörung mündet ob der Zumutung, im reinen Kunstgenuß durch Unbekanntes, Fremdes gestört zu werden.

Natürlich aber ist Kunst kein Grundnahrungsmittel, vielmehr eine Art von Weltanschauung. Das Bekenntnis zu ihr muß sie sich hart erarbeiten. Ästhetische Konzeption und anästhetisches Marketing gehören neben inhaltlich interessanten Fragestellungen zum Grundgerüst erfolgreicher Wahrnehmung. Sehen freilich muss der Betrachter, ein Experiment allemal – mit ungewissem Ausgang!

Präsentiert werden Schriftbilder, vorwiegend im Format 60 x 90 cm, Acryl und Blattgold auf Leinwand.

Jean Margulies

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