Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

1. Ausstellung 2013 | Europa-Scriptorium zum 250. Geburtstag von Jean Paul

Kalligrafen sind viel unterwegs: Sie unterrichten, bilden sich in internationalen Kursen weiter und stellen selbst weltweit aus. Trotzdem trifft man sich bei diesen Gelegenheiten eher nebenbei. Deshalb spielte Andrea Wunderlich schon seit Jahren mit dem Gedanken, ein kleines, aber feines Treffen professioneller Kalligrafinnen und Kalligrafen zu veranstalten, um in ruhiger Arbeitsatmosphäre einen intensiven Gedankenaustausch und damit eine lebendige Entwicklung neuer Ideen sowohl für die einzelnen Teilnehmer als auch für die europäische Kalligrafiegemeinschaft zu ermöglichen.

Als Mitglied und Fachbereichsleiterin für Kalligrafie im Verein Focus Europa e. V. hatte Andrea Wunderlich nun die Möglichkeit, dieses Projekt zu verwirklichen. Vom 17. bis 24. November 2012 fand das erste »Europa Scriptorium« in ihrem Atelier im berfränkischen Goldkronach statt, bei dem acht europäische Kalligrafinnen und Kalligrafen eine Woche zusammen zum Arbeiten und Gedankenaustausch verbrachten: Helene Jenssen aus Norwegen, Ewan Clayton und Margaret Morgan aus England, Jean Larcher aus Frankreich, Carry Wouters aus Belgien, Loredana Zega Blazko aus Slowenien sowie aus Deutschland Katharina Pieper und Andrea Wunderlich.

Die Woche stand unter dem Thema »Jean Paul«. 2013 gedenkt man des 250. Geburtstages dieses wichtigen deutschen Schriftstellers aus Oberfranken, der von 1763 bis 1825 lebte und eigentlich Johann Paul Friedrich Richter hieß. Er war ein Zeitgenosse Goethes und Schillers, ist aber außerhalb seines Heimatlandes wenig bekannt. Seine Texte, Aphorismen, Gedanken und einfallsreichen Wortschöpfungen bildeten die Grundlage für lebendige Gespräche und Interpretationen, aber auch mit Musikstücken und Arbeiten anderer Künstler wurde sein Werk erschlossen.

Vielfältig wie das literarische Schaffen von Jean Paul sind auch die kalligrafischen Arbeiten, mit denen die acht Künstlerinnen und Künstler in dieser Woche ihre Eindrücke in sichtbare Form gebracht haben. Mit verschiedenen Werkzeugen und Materialen haben sie Jean Pauls Gedanken ein neues Gesicht verliehen, die – weil sie zeitlos sind – gerade durch die Darstellung in der kalli-
grafischen Sprache unserer Zeit auf diese Art neue Leser und wohl auch manche Freunde finden werden.

Harald Süß (verfasst nach einem Zeitungsbericht)

Informations-Folder zu dieser Ausstellung
 


Kalligrafie von Jean Larcher, Frankreich.

Kalligrafie von Margaret Morgan, England


Kalligrafie von Katharina Pieper, Deutschland.