Übersicht Ausstellungsarchiv ExLibris und Buchkunst 1992 bis 2015

3. ExLibris-Ausstellung 2013 | Exlibris und freie Grafik

Oldrich Kulhanek ist sicherlich einer der wichtigsten Zeichner,Grafiker, Illustratoren, Marken- und Banknotenstecher als auch Exlibris-Künstler, den die jüngere tschechische Kunstgeschichte hervorgebracht hatte.

Er ist ein Sohn Prags, hat dort an der Akademie für bildende Kunst studiert, 1964 abgeschlossen und sich als freischaffender Künstler im repressiven Umfeld des damals kommunistischen Landes durchgeschlagen. Im »Prager Frühling« 1968 hat er kurz die Freiheit genossen, um bald danach von der Geheimpolizei verhaftet und wegen seiner »regimefeindlichen« Kunst in einem kafkaesken Prozess verurteilt zu werden. Seine Arbeiten wurden mit einem Ausstellungsverbot belegt!

Doch Oldrich gibt nicht auf, gewinnt einen Freundeskreis in ganz Europa und Übersee und bleibt so mit der »Außenwelt« in Kontakt. Seine Grafik findet trotzdem den Weg zu Sammlern in aller Welt und in die wichtigsten öffentlichen Sammlungen (Library of Congress, Washington D. C.; Albertina, Wien; u. v. a. m.). Als 1989 der Eiserne Vorhang fällt, wird Oldrich Kulhanek rehabilitiert, seine Schaffenskraft und Anerkennung erreichen einen Höhepunkt. Er wird beauftragt, die neue Banknotenserie der jungen Tschechischen Republik zu gestalten und eingeladen, als Dozent an wichtigen Universitäten zu lehren.

Im Mittelpunkt seines grafischen Werkes steht der Mensch mit seiner Blöße; nicht nur in der körperlichen sondern auch der des Charakters und der Leidenschaft. Meist wird darin Gewalt, Unrecht und Böswilligkeit schonungslos angeprangert und zutiefst menschliche Merkmale wie Arroganz, Eitelkeit und falsche Moral bloßgelegt. Die zeichnerische Exzellenz, die Beherrschung der Technik der Radierung und der Lithografie, die Bewegung und Gestik der Körper und Hände, der Ausdruck der Gestalten und Gesichter in seiner Grafik zieht den Betrachter in seinen Bann und fasziniert.

An die 250 Gebrauchsgrafiken hat Kulhanek geschaffen. Sie sind hoch geschätzte, begehrte Sammelobjekte – »Luxus-Exilbris« – und werden wegen ihrem Wert kaum in Bücher geklebt.

Heinrich R. Scheffer

Die Exponate stammen aus den Sammlungen Hillerbrandt, Mühldorf a. J., NÖ.
und Scheffer, Wien.

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O. Kulhánek: Exlibris O. Kalabusová
(Libri Prohibiti), 1988