Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

2. Ausstellung 2015 (in der Galerie) | ». . .was ich noch zu schreiben hätte. . .« Kalligrafien von Karin Bauer

Karin Bauer lebt und arbeitet in Hamburg. Der höchste ästhetische Reiz, die größte Faszination von einer Schrift, kam für sie, als sie nicht entfernt daran dachte, sich mit Schrift zu beschäftigen oder dass sie sich womöglich in diesem Terrain einmal beruflich niederlassen würde. Sie hatte damals während ihres Aufenthalts im Orient einem Kalligrafen der arabischen Kalligrafie beim Akt des bedächtig dahinfließenden Schreibens zugesehen, nur sein gleichmäßiges Ein- und Ausatmen war in seinem Atelier vernehmbar. Eine Aura der unendlichen Ruhe hatte ihn umgeben.

Diese sich so viele Male wiederholenden Stunden bei ihm war für sie ein unerhörter Eindruck, ein gewaltiger Impuls. Es war nachhaltig genug, um, nachdem sie wieder zurück gegangen war, sich mit westlicher Schrift sehr intensiv zu beschäftigen.

Es folgten während einer längeren Phase des Ablösens aus einem internat. Konzern zuerst Teilzeitstudiengänge, später das Ganztagstudium unter Prof. Martin Andersch in grafischer Buchgestaltung und Kalligrafie an der HAW in Hamburg. Danach weiterführende und (schrift-) ästhetisch bildende Seminare bei international anerkannten Schriftkünstlern. Auch die Fotografie hatte ihren Anteil daran. Seit mehr als 16 Jahren ist sie als Freiberuflerin in ihren Hauptfeldern tätig, Dienstleistung für Kalligrafie.

Karin Bauer war und ist als Dozentin in Deutschland, Japan und Russland tätig und kann auf zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Europa, Asien und Amerika zurückblicken. Kalligrafie ist nichts, das für sich selbst lebt, sie ist immer in einer anderen künstlerischen Gemeinschaft: der der Literatur. Sie bedingen sich. Sie nehmen sich manchmal sehr ernst. Dann kommen sie klassisch gefestigt einher. Sie spielen und ringen manchmal um die Vorherrschaft. Dann wieder ist die Interpretation eines Textes nicht lesbar. Wir sagen immer noch, wir schreiben, gestalten. Dann ist es der skripturale Duktus, die sprühende Farbigkeit, die wie eine Tonspur dem Text folgt. Es ist immer wieder neu und auch erregend, wie vielschichtig die Möglichkeiten sind, mit und durch einen Text immer und immer wieder etwas vollkommen Neues entstehen zu lassen.

Ich freue mich auf Sie, auf Euch.
Karin Bauer

Die Künstlerin im Netz: www.bauer-kalligrafie.de


2. Ausstellung 2015 (im Saal) | GRUPPE »GLOBAL CALLIGRAPHY VIENNA« mit Kalligrafien von Abd A. Masoud

Mit »contemporary interpretation of old manuscripts« oder »Arabische Kalligrafie einmal anders«, bezeichnet der in Wien lebende, gebürtige Jordanier Abd A. Masoud seine Arbeiten am besten. Die arabische Schrift neu zu formen, mit Ornamenten und Symbolen zu kombinieren, aus einer bilderlosen Darstellung ein Bild zu kreieren ist sein Ziel. Inspiration und Anregung holt sich der Künstler aus alten arabischen Manuskripten.

Von der kufischen Schrift (nach der Stadt Kufa benannt, die im heutigen Irak liegt), eine der ältesten kalligrafischen Formen der arabischen Schrift leitet Abd A. Masoud seine neuen Arbeiten ab. Jedoch nicht mit der traditionellen Rohrfeder die aus Bambus gefertigt wird sondern mit westlichen Kalligrafie Schreibutensilien wie Ziehfeder oder »Cola Pen« entsteht eine eigenständige zeitgenössische kufische Schrift.

Um das kalligrafische Element für das nicht arabisch sprechende Auge attraktiver zu gestalten, verzichtet der Künstler auf die traditionellen Hauptkriterien der Kalligrafie. Stattdessen findet der Betrachter Hintergründe in verschieden Mustern und Strukturen, sie präsentieren sich in einer abwechslungsreichen Farbpalette, ohne jedoch den visuellen Kontrast der arabischen Schrift zu beeinträchtigen.

Abd A. Masoud ist Gründungsmitglied der internationalen Kalligrafenvereinigung »Global Calligraphy Vienna«.

Ute Felgendreher

Informations-Folder zu dieser Ausstellung
 


Kalligrafie von Karin Bauer




Kalligrafie von Abd A. Masoud