Übersicht Ausstellungsarchiv Kalligraphie und Schriftkunst 1992 bis 2015

3. Ausstellung 2015 (in der Galerie)

Schriftgruppe »lettera« Kalligrafien zu Goethes Hidschra Reisen in den Orient – Reisen in Texte

Künstler der Schriftgruppe »lettera«: Mari Emily Bohley, Frank Fath, Antje Glashagen-Stuck, Anja Luedtke, Birgit Nass, Eveline Petersen-Gröger, Ursula Schröder -Höch, Jasna Wittmann.

Goethes Auseinandersetzung mit dem Orient in seiner Gedichtsammlung »West-östlicher Divan« und die Texte des persischen Dichters Hafis standen im Mittelpunkt der künstlerischen Interpretation mit unterschiedlichen Schreibwerkzeugen, Farben und Techniken auf Papier, in Büchern bis hin zu dreidimensionalen Objekten.
Wie kam es dazu? Im Rahmen des von der Hafis-Gesellschaft ins Leben gerufenen Projektes »Morgenland trifft Abendland – Kunst baut Brücken« fand 2012 eine Dialogausstellung in Teheran mit dem iranischen Schriftkünstler Sedaghat Jabbari und lettera-Mitglied Antje Glashagen- Stuck statt. Daraus entstand die Idee, zum 100jährigen Bestehen der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine Kalligrafie-Ausstellung zu zeigen. Schließlich hatte sich Goethe selbst durch eigene kalligrafische Studien den ornamental anmutenden Farsi-Zeichen der fremden Kultur genähert.
In der ihr eigenen Unterschiedlichkeit hat sich die Schriftkunstgruppe lettera frei und assoziativ mit der Bearbeitung einzelner Aspekte dieser Texte befasst, indem etwa westliche Schriften mit orientalischer Anmutung entwickelt wurden.
Das Gedicht »Hegire«, das den West-östlichen Divan eröffnet und dessen Entstehung genau 200 Jahre zurückliegt, nimmt in der Ausstellung einen besonderen Raum ein. »Hegire« ist die französische Übersetzung für das arabische Wort »Hidschra«, das auf die Auswanderung des Propheten Muhammads von Mekka nach Medina weist. Alle lettera-Mitglieder und der iranische Kalligraf Jamshid Shahrabi haben dieses siebenstrophige Gedicht auf ganz individuelle Art und Weise bearbeitet – manchmal ist es nur eine einzelne Zeile, die zum Gegenstand schriftkünstlerischer Interpretation wird. Aber auch einige Texte des im 14. Jahrhundert in Persien geborenen und dort bis heute hochverehrten Dichters Hafis sind bearbeitet worden.
Die extrem schmalen, hochformatigen »Banner« nehmen eine Sonderrolle ein. Dieses ungewöhnliche Format ist auf die besonderen Herausforderungen des zweiten Ausstellungsortes, der denkmalgeschützten Rotunde der Frankfurter Universität, zugeschnitten. Insgesamt 24 dieser Banner sind entstanden, wobei hier nur ein Teil der Werke gezeigt werden kann. Wir hoffen, mit dieser Ausstellung den Dialoggedanken weitertragen zu können und danken den Organisatoren sehr herzlich.

Die Künstler der Schriftgruppe »lettera«

3. Ausstellung 2015 (im Saal) | GRUPPE »GLOBAL CALLIGRAPHY VIENNA« mit Kalligrafien von Giovanni de Faccio

Giovanni de Faccio ist gebürtiger Italiener aus San Dona di Piave nahe Venedig und lebt seit 1993 mit seiner Familie in St. Valentin, NÖ. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Tradition der Schriftkunst, welche auf ein 2000jähriges Kulturgut zurückblickt, zu erhalten und die Weiterentwicklung dieser Kunstform – als Weg des Schreibens – zu fördern. Für ihn ist Schreiben keine Arbeit, es ist ein Weg. Daran, wie er schreibt, erkennt er sich selbst.
Er ist eines der Gründungsmitglieder der »New Design University « (NDU) in St. Pölten und dort als Dozent für Schriftgestaltung tätig. Seine Lieblingsfrage lautet: Existiert im Universum ein bewegungsloser Punkt?

Ute Felgendreher

Informations-Folder zu dieser Ausstellung
 

Collage aus den Bannern der kalligrafischen Interpretationen des Gedichtes »Hegire« durch die Mitglieder von »lettera«.

 

Kalligrafie von Giovanni de Faccio